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Alexander Tuschinski: Never Arrive (Review)

Artist:

Alexander Tuschinski

Alexander Tuschinski: Never Arrive
Album:

Never Arrive

Medium: LP/Download
Stil:

Rock, Folk, Singer/Songwriter

Label: ElasticStage/Eigenvertrieb
Spieldauer: 43:22
Erschienen: 26.06.2026
Website: [Link]

ALEXANDER TUSCHINSKI darf sich mit „Never Arrive“ definitiv zugute halten, eins der wohl ungewöhnlichsten Alben des Jahres aus dem Boden analoger und digitaler Klangwelten gestampft zu haben.
Ein Album, das vom Klang her verunsichert, weil dieser so herrlich analog und nach stadiontauglicher Vergangenheit duftet, während sich dahinter ein künstlicher Popanz versteckt, der einen beherrschen kann, wenn Man(n) diesen nicht selber kontrolliert und beherrscht. Genau diese Kunst rund um die 'Künstliche Intelligenz' meistert der deutsche Musiker, multimediale Künstler sowie Independent-Filmemacher Tuschinski, der eben nicht nur als Musikus seine Bahnen durch die Welt des Schöngeistes zwischen Genie und Wahnsinn zieht.

Schon der Titel „Never Arrive“ spricht seine eigene musikalische Sprache, die auf das konzeptionelle Thema verweist. Wer ankommt, lässt sich nieder und wird bequem. Wer niemals ankommt, bleibt dauerhaft auf der Suche und ist mutig, um Veränderungen anzugehen.
Ein weiterer Fakt, der diesen Titel untermauert, ist die Zeit der Entstehung von „Never Arrive“ über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren – und durchläuft die persönlich sehr wechselhafte wie abwechslungsreiche Kunst-Geschichte von ALEXANDER TUSCHINSKI.


Das, was uns das deutsche Multitalent hier präsentiert, ist im Grunde Stadion-Rock der Marke MUMFORD & SONS oder BIG COUNTRY (Na, wer kennt den Musik-Dauerbrenner „Look Away“ noch?) genauso wie 70er-Pop-Vibes und Folk mit einer Pub-Garantie, wie man sie von den POGUES oder etwas urwüchsiger den DUBLINERS kennt und einer Spritzigkeit, die sofort gute Laune vermittelt. Man möchte dazu tanzen. Aber man möchte auch genauer hinhören. Erstmal die Texte mitlesen, die sich auf der bedruckten LP-Innenhülle befinden und die sehr persönliche Bezüge besitzen und damit einem Konzept folgen, in dem es sich um das Unterwegssein mit allen Höhen und Tiefen dreht. Hierbei spielt eine ganz besondere Rolle die Stadt der Verliebten: Paris.

Jeden Song gestaltet ALEXANDER TUSCHINSKI hierbei so, als würde ihm in den oft sehr hymnisch angelegten Momenten ein riesiges Publikum leidenschaftlich mitsingend begleiten. Genau das, was man längst von den Konzerten eines BRUCE SPRINGSTEEN kennt. Doch immer wieder kommt es sogar zu Brüchen, wenn in „Tightrope Paris“ plötzlich Rap-Rhythmen dominieren, um dann in „Pieces In Paris“ mit Mundharmonika ein Dylan-Feeling zu verbreiten, das wiederum in modern ange'rapte' Klänge mit einer echten Hookline-Melodie und „Hey-Hey-Hey“-Rufe übergeht. Erneut blitzt hierbei diese MUMFORD & SONS-Aura gepaart mit den BRANDOS (Die hoffentlich den Musikfreunden ebenfalls bekannt sind. Wenn nicht: Diese Band aus New York ist eine echte Entdeckung wert!) auf.


Oh ja! Bei diesen häufig auf KI basierten Klangwelten (Tuschinski experimentierte für dieses Album ein Jahr lang intensiv mit generativer KI, um einen völlig neuartigen und unverwechselbaren Sound zu erschaffen!) springt tatsächlich sofort der (Stadion-)Funke über.

Auf der LP-B-Seite setzt Tuschinski dann völlig überraschen auf knackige Funk- und Soul-Sounds voller Bläser und TOM JONES-Gesang, der auf „Float Away“ die „Sexmachine“ anzuwerfen scheint: „Don't let them stop you: / Break up and be free!“, um dann mit der traurigen, titelgebenden Ballade einem DAMIEN RICE Konkurrenz zu machen. Ein Song der sich nach und nach zu einem hypnotischen, extrem traurigen Duett, bei dem eine ENYA grüßen lässt und in dem es um das Sterben geht, entwickelt – und für alle feinfühligen Musikgeister garantiert als Album-Höhepunkt auserkoren wird: „Poor old souls, laying stopped on the grass, / Died long before we would pass.“ Wunderschön!


In „Hands Of Time“ darf erneut weiblichem Gesang gelauscht werden – dieses Mal allerdings wiederum im Stadion-Stil mit breit aufgestelltem Chor. Manchmal wirkt Tuschinskis Entscheidung, immer wieder diese 'Publikums'-Gesänge auf's Tableau zu heben, etwas übertrieben, da es mehr auf einen Mitschunkel-Charakter als auf die Wirkung der durchaus gelungenen Melodien setzt. Er ist eben konsequent, dieser ALEXANDER TUSCHINSKI, wenn er genau diese 'Masche' bis zum Album-Ende durchzieht, das mit „Vienna's Street“ und dem gleichen Text wie „Paris Street“ (nur durch Vienna ersetzt) seinen Abschluss findet und wie ein wilder Tanz durch unendliche countryschwangere Westerngefilde klingt, bei dem eine Fiddle Rhythmus und Tempo vorgibt. Da möchte man unbedingt mittanzen und selbst wenn sich der Tonarm von der Platte hebt, bleibt diese Melodie noch lange wie das altbekannte Würmchen in den Gehörgängen haften.


FAZIT: Ein Album, an dem ALEXANDER TUSCHINSKI zehn Jahre lang werkelte, um dann mit der Hilfe von KI einen aus seiner Sicht völlig neuartigen und unverwechselbaren Sound, der mal nach Stadion-Rock, mal nach Pub-Folk klingt und neben Seventies-Feeling und großen Hymnen eine Atmosphäre verbreitet, die den Hörer auf eine ungewöhnliche Reise in die Vergangenheit mit den Mitteln der Zukunft mitnimmt. Zudem beweist das deutsche Künstler-Multitalent bei dem sehr persönlichen Konzept hinter „Never Arrive“ (übrigens ist gerade der Titeltrack ein ganz großartiges Duett geworden), welches sich besonders um das Ausbrechen aus auferlegten Konventionen dreht, seine Qualitäten als Singer/Songwriter.

Thoralf Koß - Chefredakteur (Info) (Review 52x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 12 von 15 Punkten [?]
12 Punkte
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Tracklist:
  • Seite A (20:25):
  • Sparks Ignite by Living (3:13)
  • Greatest Skill (4:25)
  • Through the Dust (4:27)
  • Tightrope Paris (1:28)
  • Pieces in Paris (3:17)
  • Paris Street (3:35)
  • Seite B (22:57):
  • Float Away (3:30)
  • Never Arrive (5:36)
  • Don't Dive Too Deeply (3:44)
  • Hands of Time (3:38)
  • Like Carving Flowing Water (3:24)
  • Vienna's Street (3:05)

Besetzung:

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